Mittwoch Abend verstarb Steve Jobs im Alter von nur 56 Jahren. Der Gründer des wohl stylischsten Unternehmens für Computer und Peripherie, Apple, erlag nun doch dem Kampf mit dem Krebs. Ständig hat er mit dieser Krankheit gerungen, und parallel zum Verlauf seiner Gesundheit vollführte auch der Aktienkurs des Unternehmens ständige Kurven nach unten und wieder nach oben. Apple ist abhängig von Jobs, die Fans der Geräte mit dem Apfel fasziniert von Jobs, dem Idealisten, dem Visionär, der es schaffte, in seiner Garage den wohl einflussreichsten Konzern für mobile Endgeräte aus dem Nichts heraus zu gründen. So sehr ich den Tod Jobs bedauere, werden die nächsten Wochen und Monate doch sehr interessant werden. Wird es Apple gelingen, den Verlust ihres Gründers und kreativen Kopfes hinter all den Geräten mit dem i im Namen zu verdauen, ohne Schaden zu nehmen? Wird es weiterhin Endgeräte mit dem angeknabberten Apfel als Logo geben, die mit viel Stil und Wisch-Gesten ihre Fans dermaßen begeistern, dass sie doppelt so viel Geld in die Hand nehmen (und letztendlich aus der Hand geben) wie für das annähernd gleiche Gerät des Konkurrenten? Oder wird Apple ohne Steve Jobs nur noch eine Apfelhälfte sein, die niemand mehr haben möchte, die im Korb neben all den anderen auf Hochglanz polierten Äpfeln so langsam Druckstellen bekommt und unansehnlich wird?
Und dann gibt es da noch die Trauer. Denn trotz aller mit gesundem Menschenverstand nicht nachvollziehbarer Quereleien zwischen Apple und Microsoft, zwischen Google und Apple, zwischen Apple und Samsung, bekunden diese Gegner im Kampf um Gewinne und verkaufter Stückzahlen ihrer Geräte ihr Beileid offen und natürlich auch werbewirksam. “Oh, schau mal, selbst Google schaltet auf jeder Seite einen Hinweis auf Steve Jobs. So schlimm kann das doch alles gar nicht gewesen sein, wir Nerds sind doch alle eine große Familie, die in schwierigen Zeiten zusammen hält.” Sicher sind einige Damen und Herren in den Vorstandsetagen dieser Unternehmen dabei, die wirklich um Steve Jobs trauern, die ihn kannten, ihn vielleicht sogar wirklich mochten. Ich denke allerdings, ein nicht gerade kleiner Anteil der weltweiten Trauer ist gespielt. Kein Unternehmen, welches in dieser Sparte tätig ist und unter ständiger Beobachtung der Blogger und Nerds dieser Welt steht, kann es sich leisten, Apples Verlust zu ignorieren. Sie dürfen nicht vergessen, dass vielleicht wir Nerds eine große Familie sind, nicht aber diese Unternehmen. Diese wollen nur eines: Ihnen für teures Geld schicke Hardware und praktische Dienstleistung verkaufen. Das gilt natürlich auch für Apple. Vielleicht jetzt besonders, ohne Steve Jobs, den Visionär.
Provokant? Ja, vielleicht. Pietätlos? Nein, ganz bestimmt nicht. Auch ich finde es traurig, wenn Menschen unsere Welt verlassen müssen, die viel für uns geleistet haben. Die manchmal im Stillen, unbeachtet und unerkannt, ihren Kampf für eine bessere Welt austragen – Manchmal aber auch auf großer Bühne. Wie Steve Jobs, dem man bei seinen Auftritten stets ansah, dass ein Teil von ihm immer noch als junger, enthusiastischer Mann in seiner Garage sitzt und über der Idee von einem für alle finanzierbaren Computer brütet, einem Computer mit einem angeknabberten Apfel als Erkennungszeichen. Einem Computer, der dem kleinen Mann Zugang zur großen weiten Welt ermöglichen sollte. Man sah Jobs immer an, dass er für dieses Ziel lebte. Ja, charismatisch war er, der Steve.